Jetzt möcht ich doch mal was zu meinem neuen Lieblingsprojekt DESERTEC schreiben wo ich grad ein Analyse der wissenschaftlichen Dienste des Bundestag dazu gelesen hab.
In der wissenschaftlichen (und damit natürlich unbedingt vollkommen unabhängigen) Analyse heißt es:
Ziel des DESERTEC-Konzepts ist die Gewinnung von Strom aus Solar- und Windenergie in der afrikanischen Wüste (bzw. an der Küste), der zunächst den lokalen Strombedarf und langfristig einen Teil des europäischen Strombedarfs decken soll. Bis 2050 wird von rund fünfzehn Prozent ausgegangen. Die hierfür benötigten Solarkraftwerke haben einen Flächenbedarf von ca. 2500 km2. Das geschätzte Investitionsvolumen bis 2050 beträgt 400 Milliarden Euro. Davon sollen Kraftwerke mit einer Leistung von rund 100 Gigawatt gebaut werden. Das entspricht der Leistung von etwa 100 Kernkraftwerken. Entwickelt und untersucht wurde das Konzept in Zusammenarbeit der Trans-Mediterranean Renewable Energy Corporation (TREC) mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Bei den beteiligten Unternehmen handelt es sich zum Teil um europäische Energieversorger, die bislang vor allem auf fossile und nukleare Energieträger setzen. Ihre Hinwendung zu erneuerbaren Energien in diesem Umfang ist bisher die wohl größte Ökostrom-Initiative.
Schwindlig wird uns bei solchen Summen ja schon lang nicht mehr und schließlich geht es ja um Ökostrom, da ist uns sowieso nix zu teuer. Da es ganz sicher nicht die Energieversorger sein werden, die eventuell entstehende Mehrkosten (wobei die Wahrscheinlichkeit für Mehrkosten bei so einem Megaprojekt sicher extrem gering ist) zahlen, werden wohl die europäischen Steuerzahler dafür aufkommen.
Überhaupt verfolgt das Projekt einen guten Zweck, die Subventionen werden also sowieso schon üppig fließen. Wüsste nicht welches Unternehmen sich sonst auf das Risiko einlassen sollte Milliarden von Euro in der marrokanischen, algerischen, lybischen und ägyptischen Wüste zu versenken (von den technischen Risiken will ich hier gar nicht anfangen). Dem entgegnet die Verfasser der Analyse lapidar
Kritiker des Konzepts bemängeln die politisch instabile Situation in der MENA-Region, die Konkurrenz zum Ausbau lokaler erneuerbarer Energien in Europa und die Abhängigkeit Europas von Energieimporten, die so auch in der Zukunft bestehen bleibt. Desweiteren wird die Förderung zentraler Strukturen kritisiert, die die Abhängigkeit von großen Energieversorgern ausweiten, statt dezentrale autonome Versorgung auszubauen.
ohne denn auch weiter auf die Kritik einzugehen. Technische Probleme erwarten die Verfasser auch nicht in größerem Umfang.
Die Kühlung ist besonders gut mit Wasser zu realisieren, an dem es aber in Wüstenregionen meistens mangelt.
Eine überraschende Erkenntnis. Gelöst werden soll das Problem einfach durch den Bau der Anlagen am Meer (wie lang ist eigentlich der unbebaute Teil der nordafrikanische Küste?, versuche mir gerade einen vll. 1000 m breiten Streifen Solaranlagen von Casablanca bis Port Said vorzustellen, mit der ganzen zugehörigen Infrastruktur). Das hat gleich auch noch einen angenehmen Nebeneffekt. Das Meerwasser kann gleich noch durch Sonnenenergie in Trinkwasser umgewandelt werden - Fantastisch.
Da nun, folgt man der Analyse, die erwarteten Probleme klein und die sich auftuenden Chancen riesig sind, kann auch gleich ohne weiteres Nachdenken mit der Erichtungen dieses Denkmals für den Ökofundamentalismus begonnen werden.
In Nordafrika soll ab 2015 mit dem Bau begonnen werden. Bis dahin soll die Finanzierung geklärt und die technische Machbarkeitunter den lokalen Gegebenheiten und in der geplanten Größenordnung getestet werden.
Falls in der Kürze der Zeit noch nicht alle Details geklärt werden konnten wird man trotzdem getrost mit dem Bau beginnen können, die europäische Solidargemeinschaft steht schließlich voll hinter DESERTEC.